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Die Krönung naht
Lange hat man in Fehrbellin dafür gekämpft, nun ist es fast so weit. Sechzehn Jahre nach der ersten Meisterschaft steht für die Bohlekegler des SV 90 Fehrbellin der zweite Titelgewinn unmittelbar bevor. Doch auf dem Weg dorthin gab es einige Rückschläge zu verkraften. Im Februar 2020 beispielsweise war man ähnlich dicht am Titel dran, ehe der übereilte coronabedingte Saisonabbruch nicht nur die 90er um den Lohn ihrer Arbeit brachte. Und auch in der vergangenen Saison konnte man das Titelrennen bis zum letzten Spieltag spannend halten, bevor sich Union mit einem Sieg in Cuxhaven doch durchsetzen konnte, während die 90er in Pinneberg enttäuschten. Immerhin silberfarben glitzerte die Medaille, wie so oft in der Zeit seit der ersten Meisterschaft überhaupt für eine Brandenburger Clubmannschaft in der 1. Bundesliga.
Doch für den großen Triumpf muss noch ein letzter Schritt gegangen werden. Der kann sowohl am Samstag in Eberswalde, als auch am Sonntag beim Titelverteidiger Union Oberschöneweise in Berlin-Köpenick erfolgen. Denn ein Blick auf die Tabelle verrät: Bei noch sechs zu vergebenden Punkten hat der SV 90 sechs Punkte Vorsprung auf Union. Sollten also die Rhinstädter in beiden Partien ohne Punktgewinn bleiben und Union zu Hause alle sechs Zähler einfahren, wäre man punktgleich und die Einzelwertungspunkte würden für eine Entscheidung herangezogen. Da stehen die Märker aktuell bei 967, Union bei 901. Angenommen, die Berliner holen das Maximum von 2x57, also 114 EWP, stünden sie bei 1115. Mit 48 EWP am Wochenende für die 90er wäre man pari. Im Worst Case bekäme man je 21 Punkte, also 42 EWP sind bereits sicher, wenn man mit sechs Spielern antritt. Das bedeutet, dass man in Eberswalde nur 28 EWP benötigt, um aus eigener Kraft den Titel nach Fehrbellin zu holen. Abgesehen davon, dass die 90er in acht der bisherigen neun Auswärtsspiele mindestens einen Punkt holten, konnte man auch bei der einzigen 0:3-Niederlage in Husum immerhin 28 EWP erkämpfen. Eine Niederlage mit 21 EWP gab es in 21 Jahren Bundesligazugehörigkeit übrigens noch nie.
Dennoch lässt man in Fehrbellin noch keine Glückwünsche zu. "Im Sport hat man schon die dollsten Dinge erlebt. Auch wenn die Chance riesig ist, noch kann etwas schiefgehen.", mahnt Sektionsleiter Peter Wolski, der als Vater des Erfolgs gilt. Seit über 30 Jahren leitet er die Geschicke der Kegelabteilung. Beginnend mit der Schrittweisen Modernisierung der Anlage über den Aufbau einer florierenden Jugendarbeit und das Einholen der nötigen finanziellen Mittel bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und der Bundesligaspiele - überall hat Peter Wolski irgendwie seine Finger mit im Spiel. Vor allem ihm ist es zu verdanken, dass der Club jetzt dort steht.
Aber auch die Spieler wissen: "Noch müssen wir uns auf die kommenden Aufgaben seriös vorbereiten. Wir wollen aus beiden Spielen mindestens den Zusatzpunkt holen, um zu zeigen, dass wir zu Recht oben stehen.", gibt Sebastian Krause die Marschrichtung vor. "Die letzten Jahre haben schon gezeigt, dass mit den Eberswaldern zu rechnen ist. Sie stehen zu Recht in der 1. Liga und kämpfen noch um den Klassenerhalt." Und im Abstiegskampf kann es noch richtig spannend werden. Eberswalde (Heimspiele) hat einen Punkt Vorsprung auf Husum (Heim), das auf dem zehnten und somit ersten Abstiegsplatz steht. Kiel II (auswärts) ist punktgleich, Seedorf (auswärts) hat zwei Punkte mehr als die Barnimer. Eines dieser vier Teams wird absteigen, vielleicht auch zwei, wenn Pinneberg (Heim, 4 Zähler Rückstand) sechs Punkte mitnimmt.
Um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen können die Fehrbelliner weitestgehend aus dem Vollen schöpfen. "Einzig Daniel (Neumann) laboriert noch an einer Fußverletzung, er wird aber auf jeden Fall dabei sein. Alle anderen sind fit.", so Krause. Folgender Kader steht zur Verfügung: Dirk Sperling, Jonathan Jaeger, Benjamin Münchow, Sebastian Krause, Richard Albrecht, Daniel Neumann, Oliver Angerstein und Dietmar Stoof. Für Dirk geht es sogar noch um Platz eins in der Einzelwertung. "Das ist mir vollkommen egal, Hauptsache wir können mal wieder die Meisterschaft feiern. Ich glaube, das haben wir uns in diesem Jahr mehr als verdient.", so der Groß- und Einzelhandelskaufmann aus Leipzig zu seinen Prioritäten.
Die Spiele finden zur gewohnten Zeit statt. Am Samstag wird in Eberswalde mit einem großen Fanaufgebot gerechnet. Das bietet sich auch an, liegen etwa 60 Minuten Fahrzeit zwischen den beiden Orten. Und alle rechnen damit, dass es an diesem Tag klappen wird. Das Brandenburg-Derby beginnt am Samstag um 13 Uhr in Eberswalde, Am Stadion 1. Eine Live-Übertragung kam leider nicht zustande. Die wird es dafür wie gewohnt am Sonntag geben. Das Spitzenspiel zweiter gegen Erster beginnt am Sonntag um 10 Uhr in der Hämmerlingstraße 80-88 in Berlin-Köpenick.
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